Unser Schützenfest: ein Fest für Jung und Alt

 

Schützenfeste haben in unserer ländlichen Region einen besonderen Stellenwert.

Es handelt sich um keine vereinsinternen Feste. Denn neben den Schützen wird die gesamte Dorfgemeinschaft in Vorbereitung und Ablauf miteinbezogen. Darüber hinaus dienen die Schützenfeste nicht nur dem Schießwettkampf, sondern geben den Schützen und Gästen Gelegenheit, Verbindungen mit Nachbarvereinen zu knüpfen und Freundschaften und Geselligkeiten untereinander zu fördern und zu pflegen.

Man kann diese Feste daher mit Fug und Recht als Volksfeste bezeichnen.

 

Auch hier in Rüschendorf gab es vor etlichen Jahrzehnten schon einen Schützenverein, der sich jedoch mit Ausbruch des 2. Weltkrieges auflöste.

 

Schützenthron 1935

 

Doch bereits einige Jahre nach Ende des Krieges gründeten engagierte Bürger einen neuen Schützenverein. Nicht, um mit den Waffen militärische Übungen zu vollziehen, sondern um den Schießwettkampf als Sport mit seinen Traditionen und Bräuchen wieder aufleben zu lassen.

 

Einige Schützen der 1. Stunde. In der ersten Reihe von links: halb im Bild Vize-Präsident Bernhard Klönne, Bernhard Bolke, Heinrich Klünenberg, Franz Stärk, Willi Rettkowitz, Heinrich Hillmann, Franz-Heinz gr. Sandermann.

Die Neugründung dieses Vereins fand allgemein ein positives Echo und die Begeisterung von damals ist bis auf den heutigen Tag geblieben. Selbst unsere Kinder und Jugendlichen sind so mit dem Schützenverein verwachsen, dass wir uns keine Sorgen um den Schützennachwuchs zu machen brauchen.

 

Mittlerweile besteht unser Verein seit 50 Jahren und unser Schützenfest ist nach wie vor eines der beliebtesten Feste in unserer Region. Am 3. Sonntag im Juli ist es für uns so weit. Wir feiern unser Schützenfest. Ein Ereignis, auf das nicht nur alle Schützen, sondern das ganze Dorf hinfiebert. Schon Tage vor dem Fest wird das Dorf von den Anwohnern auf Hochglanz gebracht. Rasen werden gemäht, Beete geharkt und Pflaster und Straßen gefegt.

 

Am Freitag vor dem Fest treffen sich der Vorstand und diejenige Kompanie, die in diesem Jahr für das Schmücken des Festplatzes und des Umzugsweges verantwortlich ist. Das Dorf wird mit Birken, Fahnen und Wimpeln geschmückt. Dass die schmückenden Schützen von den Anwohnern mit großem Hallo und einer flüssigen Stärkung begrüßt werden, versteht sich von selbst. Mit tatkräftiger Unterstützung der Frauen wird auch der Schützenplatz, insbesondere der Thron im Festzelt und die Ehrentribüne, geschmückt und am Eingang zum Platz ein großer Empfangsbogen mit grün-weißen Blumen aufgestellt.

 

Währenddessen übernehmen einige Abgesandte aus dem engeren Vorstand noch eine wichtige Aufgabe: die „Adlerbeschwörung“. Zu Hause bei Heinrich Rehling in Borringhausen wird mit hochprozentiger Unterstützung der von ihm gefertigte Adler begutachtet, auf Vollständigkeit bzgl. der Insignien und auf Schussfestigkeit hin überprüft. Gleiches Zeremoniell wiederholt sich im Anschluss daran im Hause des Kindervaters Dieter Riesenbeck, der den Kinderadler herstellt.

 

Gegen 22.00 Uhr wird dann noch der geschmückte Festplatz in Augenschein genommen. Zu diesem Zeitpunkt hat sich die schmückende Kompanie mitsamt Frauen bereits im Festzelt versammelt, um nach getaner Arbeit das Bier und andere Getränke vorab zu probieren.

Diese interne Feier – auch „Schützen-Heiligabend“ genannt - ist geprägt von der Vorfreude auf das bevorstehende Schützenfest und hat schon häufig erst am nächsten Morgen ihr Ende gefunden.

 

Offiziell wird das Fest mit dem Kinderschützenfest am Samstag eröffnet. Die Kinder versammeln sich auf dem Schulgelände, um von hier mit Blasmusik zum Festplatz zu marschieren. Hier werden für die Besucher aller Altersgruppen die unterschiedlichsten Unterhaltungen angeboten. Neben dem Kinderkarussell für die Kleinsten und dem Autoskooter für die Jugendlichen und jung Gebliebenen findet man eine Schießbude sowie Spielzeug- und Süßwarenbuden. Für das leibliche Wohl sorgen mehrere Getränkepavillons und Theken, eine Würstchenbude und ein Fischstand. Darüber hinaus besteht im Festzelt die Gelegenheit, nach Karte zu essen.

 

Der Samstagnachmittag steht ganz im Zeichen des Kinderschützenfestes. Von den Kindervätern ist hier einiges an Spiel und Unterhaltung vorbereitet. Näheres hierzu kann man in der Rubrik „Kinderschützenfest“ nachlesen. Der Höhepunkt des Tages ist natürlich das Kinderkönigschießen. Doch bevor der Adler fällt, wird bereits seit mehreren Jahren um 17.00 Uhr die Vorabendmesse der Rüschendorfer Pfarrgemeinde im Festzelt gefeiert. Sie wird als Familiengottesdienst gestaltet und von Jung und Alt, aber auch von den Schützen, sehr gut angenommen.

 

Pfarrer Holger Kintzinger feiert die Messe im Festzelt, musikalisch begleitet von der Kolpingkapelle Hunteburg. Die Kollekte dieser Messen ist im Allgemeinen für einen guten Zweck bestimmt.

 

Beginnt dann im Anschluss an die Messe das Kinderkönigschießen, drängen sich zahlreiche Besucher und Zuschauer auf dem Platz und um den Schießstand, um den Königsschuss mitzuerleben.

 

Einen gut besuchten Schützenplatz kann man auch am Samstagabend vorfinden. Denn dann lädt der Verein zum Tanz ins Festzelt. Dieser Abend ist insbesondere bei den jungen Leuten aus dem Südkreis sehr beliebt, was natürlich auch der engagierten Band mit ihren modernen Rhythmen zu verdanken ist. Bis tief in die Nacht hinein sorgt sie mit aktuellen Hits für ausgelassene Feierstimmung.

 

Am Schützenfestsonntag ist dann das ganze Dorf auf den Beinen. Mitten im Ort werden mit einem schwungvollen Platzkonzert alle in Schützenfestlaune versetzt. Etwa 750 Schützen aus sechs Kompanien treten am frühen Nachmittag zum Festmarsch an, um den König mit seinem Gefolge zum Festplatz zu begleiten.

 

Ein Bild aus früheren Tagen: Franz gr. Hackmann lenkt mit sicherer Hand die Königskutsche mit dem Königspaar (von links) Josef und Elisabeth gr. Austing sowie dem Adjutanten Alois Enneking mit Nachbarin Maria Heye-Enneking.

 

Unter den Klängen mehrerer Blaskapellen ziehen die Schützen parademäßig und im Gleichschritt durch die Straßen, dass es eine Lust ist, diesem Geschehen zu zusehen. Zuschauer und Gäste sind immer wieder beeindruckt von diesem geordneten Ausmarsch.

 

Beim Festplatz angekommen, reihen sich die Schützen vor der Ehrentribüne auf, um Seiner Majestät zu huldigen.

 

Schützenfestsonntag: Auf der Ehrentribüne erwartet man den Vorbeimarsch des Schützenregimentes.

 

Nach Begrüßung durch den Präsidenten und Grußworten der Ehrengäste wird von den Kindervätern die Proklamation des neuen Kinderkönigs vorgenommen. Danach heißt es für das Regiment „Weggetreten“. Nun können sich die Schützen an den verschiedenen Pavillons von dem anstrengenden Marsch erholen und den Durst bei einem kühlen Bier löschen.

 

Mit Blasmusik geht’s ins Zelt, angeführt von den beiden Platzkommandanten Hans Steinbach und Werner Kuhlmann.

 

„Wir haben einen König, König wunderbar...“. Schützen der 2. Kompanie Kemphausen bejubeln den neuen König, ihre Majestät Hans-Georg gr. Austing. (von links) Björn Klünenberg, Dirk Bolles, Dieter Stöppelmann, Michael gr.Kamphake, Oliver Pieper, Andreas Pohlschneider, Ludger Decker, Florian Ewald, Hans Stöppelmann, Detlef Stöppelmann (verdeckt), verdeckt Norbert Bley und Norbert Pille, Ludger Stöppelmann, Christoph Ihlendorf, Felix Böckermann, Kind: Jannes Stöppelmann

 

Die ältere Generation wird vom Verein zu Kaffee und Kuchen ins Festzelt geladen, wo sie sich an den Vorträgen der Musikkapellen erfreuen kann. Die Kinder finden Abwechslung in der Hüpfburg oder bei verschiedenen Spiel- und Bastelaktionen im Festzelt.

 

Ein gemütlicher Plausch im Festzelt am Sonntagnachmittag. In der Runde von links: verdeckt Heinrich gr. Hackmann, Bernard Stärk sen., Heinrich gr. Hackmann (Pastor), Julius Heye-Enneking, Aloys Börger, weiterer Gast.

 

Am Spätnachmittag ist der Schützenplatz rappelvoll. Auch viele ehemalige Rüschendorfer sowie zahlreiche Gäste aus den umliegenden Dörfern und Gemeinden haben sich auf dem Festplatz eingefunden. Höchste Spannung herrscht unter Schützen und Zuschauern. Es geht um das Königsschießen! Dicht gedrängt schauen alle erwartungsvoll nach oben zum Adler. Ein Jubelschrei geht durch die Menschenmenge, wenn endlich der Vogel von der Stange fällt. Der glückliche Schütze wird mit Jubelrufen und Blasmusik auf den Schultern seiner Kompaniefreunde ins Festzelt getragen und als neuer König gefeiert. Mit Musik und Tanz bis zum Morgengrauen klingt dieser zweite Schützenfesttag aus.

 

Der überglückliche Schütze Ludger Klünenberg wird von seiner Kompanie als König gefeiert.

 

Früher feierten die Leute überwiegend an den Tischen im Festzelt. Dort gab es nur Wein zu trinken, lediglich an den Theken wurde Bier ausgeschenkt. Auf dem Foto von rechts: Willi Markus, Karl Barnefske, Maria Barnefske, Paula Stärk, Maria Adelmeyer, Maria bei der Hake, Anna Markus, Heinrich bei der Hake, Franz Stärk.

 

Auch am Schützenfestmontag gönnen sich die Schützen keine Ruhe. Traditionsgemäß versammeln sich Vorstand und Königskompanie beim neuen König zum Frühschoppen. Es wird sich nach seinem Befinden erkundigt und er erhält erste Anweisungen bezüglich seiner Rechte und Pflichten. Von den beiden Schießoffizieren wird das so genannte „Schwanzgeld“ überbracht (Preis für Rumpf und Schwanz des Adlers).

Am Spätnachmittag desselben Tages treten alle Schützen wieder vollzählig an. Fast keinem sind die Strapazen der letzten Tage anzumerken. Die Lust und Freude am Schützenfest vertreibt jegliche Form von Müdigkeit. Schon seit langem ist es Tradition und der Verein sieht es immer wieder mit Freude, dass auch der Schützenverein Osterfeine am Montag mit einer starken Abordnung am Ausmarsch und am Schützenfest teilnimmt.

 

Das Osterfeiner Regiment beim Ausmarsch am Montag. In der ersten Reihe die beiden Präsidenten Albert Grote und Heinrich Hentemann mit König Werner Bergmann.

 

Nach Meldung der Kompanien schreitet der König des letzten Jahres noch einmal mit den beiden Kommandeuren unter den Klängen des Präsentiermarsches die Front ab. Danach setzt sich der Schützenumzug mit Marschmusik in Bewegung in Richtung des Kriegerdenkmals.

Dort wird der Gefallenen der beiden Weltkriege gedacht und an die verstorbenen Schützen erinnert. Eine bewegende Rede des Ortsvorstehers lässt sämtliche Gespräche verstummen. Als Zeichen stillen Gedenkens wird ein Kranz am Ehrenmal niedergelegt. Wenn dann das Lied vom „Guten Kameraden“ erklingt, neigen sich Häupter und Fahnen aus Ehrfurcht und Dankbarkeit vor den Toten.

 

Die Ehrengäste während der Gedenkfeier. Von links: Ehrenpräsident Hubert Stärk, Präsident Franz Moormann, König Ludger Klünenberg, Vizepräsident Franz Schwager-Wehming, MdL Reinhold Coenen, Bürgermeister Hans-Georg Knappik, Pastor Holger Kintzinger.

 

„Die Fahnen neigt“ Die Regimenter Osterfeine und Rüschendorf ehren die Toten.

 

Nach einer kurzen Stille reihen sich die Schützen wieder ein und es geht im Festmarsch weiter zum Schützenplatz. Hier wird unter großem Jubel und Beifall das neue Königspaar mitsamt seinen Adjutanten vorgestellt und der Machtwechsel vollzogen. Der scheidende König muss das Regiment an seinen Nachfolger übergeben. Dieser wird mit Königsorden und Königskette als Zeichen seiner Königswürde geschmückt.

 

Pfarrer Holger Kintzinger wünscht den Schützen und allen Gästen frohe Festtage. Links im Bild Tim Kreymborg und rechts Kumar Ramu, der sich im Rahmen eines Praktikums in der Pfarrgemeinde St. Agnes aufhielt.

 

Nach seiner Inthronisierung bezieht das Königspaar seinen Thron im Festzelt. Die geladenen Ehrengäste - darunter der Bürgermeister der Stadt Damme, der Rüschendorfer Pastor sowie die Präsidenten der Nachbarvereine – werden ins Festzelt gebeten und dort vom amtierenden Ortsvorsteher betreut und bewirtet.

 

Nach einer langen Gratulationscour und zahlreichen musikalischen Ständchen eröffnet das Königspaar mit einem Ehrentanz den Tanzabend.

 

Zahlreiche Grünröcke bevölkern die Tanzfläche und verwandeln das Festzelt in einen Tanzsaal. Ein jeder vergnügt sich nun auf seine Weise. Wie und vor allem wie lange, das entscheidet jeder nach seiner Fasson. Es ist durchaus schon vorgekommen, dass der eine oder andere auf dem Nachhauseweg an der Würstchenbude oder Fischbude noch schnell sein Frühstück eingenommen hat.

 

Die Aufräumarbeiten am Dienstag werden vom Vorstand und der jeweils schmückenden Kompanie übernommen. Katerstimmung ist hier nicht angesagt. Alle sind in guter Verfassung und werden am Mittag für ihre Arbeit mit einer kräftigen Suppe belohnt. Wenn dann der eine oder andere Schütze noch bei einem Gläschen Bier das Schützenfest Revue passieren lässt, kann es nur ein Fazit geben:

 

Es war wieder mal ein tolles Fest.

Wir freuen uns schon jetzt auf das Schützenfest im nächsten Jahr!